Hasen und Kaninchen in der Literatur

Frohe Ostern, ihr Lieben!


Was hat der Hase eigentlich mit Ostern zu tun?
Eigentlich nicht viel. Zumindest nicht im christlichen Glauben. Allerdings ist der Hase eines der ersten Tiere, die im Frühling Nachwuchs bekommen und galt schon bei den Germanen als Fruchtbarkeitssymbol. Da der Hasennachwuchs als sicherer Hinweis dafür galt, dass es Frühling wurde, sah man den Hasen als Bote der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara. Die Namensähnlichkeit zu Ostern ist mehr als offensichtlich. Dass der germanische Frühlingsbote und das christliche Fest zusammenfanden, liegt vermutlich daran, dass Frühlingsanfang und Osterfest zeitlich so nah beieinander liegen.

Alice im Wunderland: Weißes Kaninchen und Märzhase
Lauft keinem weißen Kaninchen hinterher und hütet euch vor Flaschen auf denen „Trink mich“ steht. Hätte Alice den Rat mal beherzigt. Allerdings wären wir dann nie dem Märzhasen begegnet.
Das weiße Kaninchen wird häufig als Symbol für Drogenkonsum interpretiert. Albinokaninchen gelten mit ihrem weißen Fell und den roten Augen mitunter als Umkehrung der Farben des Fliegenpilzes1. Allerdings lässt sich im Hinblick darauf, dass Lewis Carroll nicht nur Autor, sondern auch Logiker und Philosoph war, das weiße Kaninchen als Einladung dazu gelten, ungelösten Rätseln oder Fragen nachzugehen. Weiß gilt dann nicht als Farbe der Unschuld, sondern des „Noch-nicht-Wissens“2. Die Kleidung des Kaninchens imitiert außerdem das damals in Großbritannien gelebte Dandytum, wodurch das Kaninchen beide Welten verbindet.
Der Märzhase hat seinen Platz in der Teegesellschaft bekommen, weil er verrückt ist. Zumindest dem englischen Sprichwort „mad as a march hare“ zufolge. Weil bei den Hasen im März die Paarungszeit beginnt, benehmen sie sich eben ein wenig lebhafter und ausgelassener. Zwei sich boxende Hasenmännchen können da schon mal als verrückt durchgehen3. Allerdings porträtiert Lewis Carroll den Märzhasen als denjenigen, der Alice (und die Leser) dazu bringt, Dinge zu hinterfragen4.
Den Aspekt des Verrücktseins greift Christina Henry in ihrer Wunderland Adaption „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ ebenfalls auf. Genauso wie die Flucht aus der Wirklichkeit, die hier allerdings eine ziemlich düstere ist.

Das Zylinderkabinett
Puschkin ist das weiße Kaninchen eines Zauberers in Montparnasse, das abseits der Vorstellung sein Leben im Zylinderkabinett verbringt – jenem Ort, an dem Tücher wie Schmetterlinge fliegen und Tauben zu Plastikrosen werden. Eines Tages taucht direkt vor Puschkins Hasennase ein winziges Mädchen auf, das einen Schlüssel im Rücken hat und sich nur bewegt, wenn man ihn dreht. Schnell wird klar, dass Eugenie, wie dieses Mädchen heißt, nicht in das Zylinderkabinett gehört, und so macht sich Puschkin mit ihr auf den Weg zum von allen gefürchteten Schmuckfrosch.
Puschkin funktioniert hier einerseits als Mittler zwischen zwei Welten. Genauso wie das weiße Kaninchen in „Alice im Wunderland“. Darüber hinaus ist er aber auch das aus dem Hut gezauberte Kaninchen, dass für viele der Inbegriff einer Zaubervorstellung ist. Dass es sich dabei um weiße Kaninchen handelt, liegt wohl im hell-dunkel-Kontrast begründet, schließlich waren die Hüte oder Zylinder meistens schwarz.

Unten am Fluss
In Richard Adams Roman „Unten am Fluss“ wird die Welt aus der Sicht von Kaninchen dargestellt. Nach einer Vision des Rammlers Fivers flieht eine Gruppe von Wildkaninchen aus dem bisherigem Lebensraum, den sie selbst als Gehege bezeichnen. Auf der Suche nach einem neuen Gehege erleben die Kaninchen, die von Hazels Bruder Fiver angeführt werden, einige Abenteuer und müssen auch Rückschläge in Kauf nehmen.
Die Kaninchen bei Adams entsprechen eher weniger der klassischen Symbolik. Sie besitzen eine eigene Sprache und Kultur, zu der unter anderem Sagen über die Abenteuer des Stammvaters der Kaninchen, El-ahrairah, gehören. Dadurch, dass Richard Adams seine Kaninchen zwar mit menschenähnlichen Verhaltensweisen darstellt, dabei aber deutlich macht, dass es sich unverkennbar um Kaninchen handelt, gelten, hat er damals eine ganz neue Form der Tiergeschichte geschaffen. Darüber nutzt der Autor seinen Kaninchenabenteuerroman, um Gesellschafts- und Staatssysteme, und die Bedeutung von Heimat zu thematisieren5.

Der Hase und der Igel
„Ich bin schon da“, sagt der Igel oder die Igelin im Schwank der Brüder Grimm, während der Hase die Ackerfurche rauf und runter hetzt. Abgesehen davon, dass sich Hasen und Igel einen ähnlichen Lebensraum teilen, war es dass aber auch schon mit den tierischen Gemeinsamkeiten. Vielmehr symbolisiert der Igel hier einen einfachen Bauern, der Hase dagegen einen vornehmen Herrn, möglicherweise sogar einen Grundbesitzer. Der Schwank hat damit einen zu der Zeit sehr realen und lebensnahen Hintergrund. Die Grundbesitzer sahen auf die einfachen Bauern herab.
Auf diesem sozialen Hintergrund fußt auch die Moral für den Hasen: Man sollte sich nicht über vermeintlich unterlegene Leute lustig machen6.

Die Hüter des Lichts: E. Aster Bunnymund
Definitiv kein Kaninchen. Obwohl er zu einem wird, wenn man an seiner Existenz zweifelt. E. Aster Bunnymund ist der Osterhase und der Hüter der Hoffnung. Neben den typischen Hasenfähigkeit, wie springen oder schnell laufen, hat er auch Osterhasenfähigkeiten, die sich an der Fruchtbarkeits- und Frühlingssymbolik orientieren. So kann er beispielsweise Blumen und Pflanzen wachsen lassen. Auch, dass gerade der Osterhase der Hüter der Hoffnung ist, passt zur Frühlingssymbolik, schließlich ist der Frühling im Volksglauben mit Neuanfang und Hoffnung verbunden. Auch die von Bunnymund gestalteten Ostereier gelten als Symbole der Hoffnung. Wenn er Schokolade isst – ob es Schokoostereier sein müssen, steht nirgendwo geschrieben – kann Bunnymund besondere Fähigkeiten entwickeln.

Himmeldonnerglöckchen
Nicht jeder Osterhase möchte ein Osterhase sein. Hopsi zum Beispiel. Für einen Osterhasen ist sie viel zu lebhaft. Als sie aus Versehen in der Weihnachtswerkstatt landet, findet sie den Ort auf Anhieb wunderbar, denn hier kann sie Christbaumschmuck in der Luft fangen, Nüsse auf einer Wippe hacken und jede Menge Spaß haben. Und eigentlich ist Weihnachtshäsin doch auch keine so schlechte Aufgabe. Dadurch, dass Hopsi sich einfach ein anderes Fest aussucht, dass für sie geeignet ist, wird deutlich, dass man nicht immer die vorgeschriebenen Wege gehen muss. Außerdem passt der eigentlich für das Osterfest vorgesehene Neuanfang ebenso zu Weihnachten.


2Vgl. Hübl. Philipp 2012. Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie. Hamburg: Rowohlt Verlag.

6Vgl. Lutz Röhrich 1974. Märchen und Wirklichkeit. 3. Auflage. Wiesbaden: Steiner.

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