Red – the blood of angry women

„Die Revolution kommt. Und sie wird blutig.“ heißt es auf dem Klappentext. Nun sind viele Revolutionen blutig, diese ist es allerdings schon vorher gewesen. Mit „Periode ist politisch“ bricht Franka Frei das Menstruationstabu. Schon alleine dadurch, indem sie ein Buch darüber geschrieben hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je ein Sachbuch so sehr lesen wollte, wie dieses. Ich habe Politikwissenschaft studiert und gehöre zum menstruierenden Teil der Menschheit und insofern ist mein Interesse möglicherweise erklärt. Allerdings erlebe ich im Alltag auch oft genug versteckten und (manchmal vielleicht auch unbeabsichtigten) Sexismus, sodass ich es für wichtig halte, über genau solche Themen, die der Gleichberechtigung immer noch im Weg stehen zu reden und sie in das öffentliche Bewusstsein zu holen.


Franka Frei – Periode ist politisch: Ein Manifest gegen das Menstruationstabu

„Die Periode ist Teil eines großen Ganzen . Und dabei geht es um so viel mehr als ’nur ein bisschen Blut‘.“

Sie betrifft ungefähr 50 Prozent der Weltbevölkerung, ist unvermeidbar und die Wirtschaft nutzt sie gnadenlos aus: Die Menstruation. Auch gerne als die Tage, Erdbeerwoche oder Besuch von Tante Rosa bezeichnet, denn über die Periode spricht man nicht. Zumindest, wenn es nach den anderen 50 Prozent der Weltbevölkerung geht. Und damit ist man auch schon beim Menstruationstabu, dass uns glauben macht, Binden würden vor allem blaue Flüssigkeit aus dem Reagenzglas sicher und vor allem diskret aufsaugen. Nur komisch, dass es in der Bepanthen-Werbung durchaus blutige Knie geben darf.

In „Periode ist politisch – Ein Manifest gegen das Menstruationstabu“ zeigt Franka Frei, was das Menstruationstabu weltweit anrichtet und beschäftigt sich mit den Folgen für die Umwelt, Wirtschaft und Geschlechtergleichstellung. Angefangen hat alles mit einem Facebookpost 2018, auf den sie sowohl positive Resonanz als auch Hasskommentare bekommen hat. Tabubrechen ist eben alles andere als einfach. Damals hatte die Menstrationsaktivistin gerade ihre Bachelorarbeit zum Thema „Menstruation und Tabu“ verteidigt. Ein Jahr später war sie als Folge des Posts in Südostasien unterwegs, um andere junge Frauen zu treffen, die sich ebenfalls für die Abschaffung eines Menstruationstabus engagieren. Diese Begegnungen sind für Franka Frei immer wieder Ausgangspunkt, um auf bestimmte Missstände hinzuweisen und deutlich zu machen, was für weitreichende Folgen das Menstruationstabu weltweit hat.

Der Begriff „Manifest“ im Untertitel gibt den Ton vor und wird dabei der Definition einer öffentlichen Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur mehr als gerecht. Allerdings ist das Manifest mehr als das. Erlebnisse fließen ebenso in den Text ein wie die Richtigstellung von Menstruationsmythen. Unterfüttert werden die Ausführungen immer wieder von wissenschaftlichen Belegen und Zahlen bzw. Ergebnissen aus Studien. Wer jetzt trockene Kost erwartet, wird allerdings enttäuscht. Franka Frei ist nicht selten beißend ironisch und verteilt fleißig „Goldene Erdbeeren“ an alle, die von der Periode keine Ahnung haben und meinen, dieses Nichtwissen dennoch teilen zu müssen. Dabei ist sie ehrlich und kritisch ohne ungerecht zu sein. Nebenbei kann man einiges über die Menstruation lernen und in Anbetracht der Tatsache, dass selbst digitale Datensammler wie Facebook die Periode für sich instrumentalisieren, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn auch Männer das „Manifest gegen das Menstruationstabu“ lesen würden.

Franka Frei: Periode ist politisch – Ein Manifest gegen das Menstruationstabu, 2020, 256 Seiten, Heyne Hardcore
ISBN 978-3-453-27265-1 (Buch)
18,00 Euro

ISBN 978-3-641-25426-1 (e-Book)
6,99 Euro

Das Buch wurde mir von Heyne Hardcore zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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