Es wird eng im Kalender – Oktober

Willkommen im Herbst. Draußen wird es kühler, so langsam wird es wieder Lesewetter, da kann man es sich mit einem Buch gemütlich machen und die Buchfeiertage noch ein bisschen besser begehen. Sechs Feiertage hat der Oktober, das macht theorethisch alle 5,2 Tage einen. Eigentlich muss man davon aber einen Tag wieder abziehen, da am 6. Oktober gleich zwei literarische Feiertage gefeiert werden. Also alle 6,2 Tage einer. Wobei in der Praxis gleich vier ganz zu Beginn des Monats stattfinden und die restlichen zwei dann erst auf das Monatsende fallen.


2. Oktober
Tag der Phileas Fogg-Wette (engl. Phileas Fogg Wager Day)
„Wetten dass… ich es schaffe, in 80 Tagen einmal um die Welt zu reisen?“ Auch wenn die mittlerweile eingestellte Sendung regelmäßig überzogen wurde, hätte Philaes Fogg mit seiner Wette wohl doch etwas den Rahmen gesprengt. Als er am 2. Oktober 1872 – übrigens auch ein Mittwoch – den Mitgliedern seines Londoner Reform Clubs eine Wette über £20,000, was heute etwa £1.5 Millionen entspricht, vorschlug, glaubten diese wohl kaum, dass Fogg es schaffen würde, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Noch am gleichen Abend fährt er zusammen mit seinem Diener Jean Passepartout mit dem Zug um 20:45 Uhr von London nach Paris.
Für die wohl berühmteste Reisewette der Welt hatte Jules Verne ein reales Vorbild. Zwei Jahre bevor sich Phileas Fogg auf den Weg machte, unternahm der US-Amerikaner George Francis Train von New York 1870 aus eine Weltumrundung. Als „Le Tour du monde en quatre-vingts jours“ am 30. Januar 1873 erschien, soll Train über die Namens- und Charakteränderung ziemlich verärgert gewesen und noch bis zu seinem Tode behauptet haben, dass reale Vorbild für Phileas Fogg gewesen zu sein.

6. Oktober
International Noodle Day for Raymond Federmann
Was in aller Welt haben Nudeln mit Büchern zu tun? Eine durchaus berechtigte Frage. Allerdings geht der Internationale Nudeltag auf den französisch-amerikanischen Avantgarde-Autor Raymond Federman zurück. In seinem Buch Alles oder nichts beschließt der Erzähler, sich ein Jahr lang in einem Zimmer in New York einzuschließen und sich nur von Nudeln zu ernähren, die er meist pur und nur ab und zu mit Tomatensoße verspeist.
Obwohl Raymond Federman am 15. Mai 1928 geboren wurde, wird der Tag ihm zu Ehren entgegen der angelsächsischen Tradition an seinem Todestag am 6. Oktober gefeiert. Da Raymond Federman 2009 verstarb, wurde der International Noodle Day for Raymond Federmann zum ersten Mal im Jahr 2010 gefeiert.

Mad Hatter Day
Die Figur des verrückten Hutmachers muss man wohl nicht genauer erklären. Exzentrisch und Tee-Party feiernd kennt man den Charakter aus „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll. Dabei sagt Lewis genau genommen an keiner Stelle, dass der Hutmacher verrückt ist. Das übernimmt die Grinsekatze und eigentlich sollte man auf die nicht so viel geben. Allerdings gibt es im Englischen das Sprichwort „mad as a hatter“, das sich darauf bezieht, dass Hutmacher berufsbedingt meistens an einer Quecksilbervergiftung litten. Der Hut ist auch das Stichwort, um zu klären, warum der Mad Hatter Day gerade auf den 6. Oktober fällt. Kleiner Tipp: Es hat was mit der Karte zu tun, die am Hut des Hutmachers steckt. Darauf ist nämlich „In this style 10/6“ zu lesen, was sich auf den Preis des Hutes bezieht, der, laut Carroll, zehn Shilling und sechs Pence kostet. Die Schreibweise 10/6 ist aber auch die amerikanische Datumsform für den 6. Oktober. Im Jahr 1986 nahm das eine Gruppe von ITlern aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado zum Anlass, dieses Datum fortan als einen Tag zu Ehren von Lewis Carroll und seiner Figur unter dem Namen Mad Hatter Day zu begehen. Bereits zwei Jahre später wurde der Tag des verrückten Hutmachers landesweit groß gefeiert und als inoffizieller Feiertag deklariert. Damit gilt der Mad Hatter Day als einer der ältesten dokumentierte literarischen Feiertage.

8. Oktober
World Bookstore Day (dt. Welttag der Buchhandlungen)
Der Welttag der Buchhandlungen geht auf ein sehr schönes Projekt zurück. Around the World in 100 Bookshops wurde von dem deutschen Buchhändler Torsten Woywood ins Leben gerufen. 2015 erhielt er dafür sogar den Young Excellence Award des Börsenblatts. Eigentlich arbeitet Torsten Woywood für eine Buchhandlungskette und vielleicht war gerade das die Initialzündung, die schönsten Buchhandlungen weltweit zu suchen. Denn auch, wenn man bei den „Großen“ immer genau weiß, wo man was findet, egal, in welcher Filiale man ist, macht Individualität und die Liebe zu Büchern den Reiz der kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen aus. „Support your local bookseller“ liest man immer häufiger. In diesem Sinne, tut genau das und besucht – vor allem heute – die Buchhandlung eures Vertrauens.

24. Oktober
Tag der Bibliotheken
Wer die am Welttag der Buchhandlungen gekauften Schätze bereits ausgelesen hat, kann jetzt am Tag der Bibliotheken in den heiligen Tempeln der Lesekultur noch einmal voll zuschlagen. Seitdem der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober 1995 unter der Schirmherrschaft von Richard von Weizsäcker von der deutschen Literaturkonferenz ausgerufen wurde, steht der Tag ganz im Zeichen der Büchereien und Bibliotheken. Die Wahl fiel auf den 24. Oktober, da man an die von Karl Benjamin Preusker (1786-1871) am 24. Oktober 1828 in Großenhain (Sachsen) eingerichtete Schulbibliothek für Lehrer und Schüler erinnern wollte, die 1832 nach Preuskers Plan zur ersten deutschen Bürgerbibliothek (Stadtbibliothek) erweitert wurde, die unentgeltlich von allen Bürgern benutzt werden konnte.
Rund 11.000 – in Worten elftausend – Bibliotheken gibt es heute in Deutschland, in denen man sich nicht nur Bücher ausleihen kann, sondern in denen zusätzlich Lesungen und Workshops stattfinden. Bibliotheken sind mittlerweile zu unverzichtbaren Kultur- und Bildungseinrichtungen geworden und wunderschöne Leseecken haben sie außerdem auch. Der 24. Oktober wird vom Deutschen Bibliotheksverband auch als Anlass genutzt, die Auszeichnung „Bibliothek des Jahres“, den einzigen nationalen Bibliothekspreis, zu vergeben. Zusätzlich vergibt die Bibliothek & Information Deutschland , kurz BID, die Karl-Preusker-Medaille für besonderes Engagement für öffentliche Bibliotheken.

30. Oktober
Haunted Refrigerator Day
Erst Nudeln, jetzt Kühlschränke. Am Tag des verfluchten Kühlschranks ist niemand anderes als der Master of Horror selbst, Stephen King, Schuld. In seiner 1972 erschienenen Kurzgeschichte „The Mangler“ (dt. Der Wäschemangler) verbreitet ein, in einem Hinterhof abgestellter, kaputter Kühlschrank Angst und Schrecken. Erst ist es ein toter Hund, den man im Kühlschrank findet, dann ein Kind, es folgen tote Vögel und zu guter Letzt beginnt der Kühlschrank nach anderen zu schnappen. Bereits seit den 1980er Jahren feiern die Fans von Stephen King am Tag vor Halloween den Haunted Refrigerator Day. Gekühlte Getränke gibt es zu diesem Anlass bestimmt nicht.

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