Don’t judge a book by its cover

Buchcover können so schön sein und ein Buch zum richtigen Dekostück werden lassen. Buchcover können aber auch darüber hinweg täuschen, dass die Geschichte eher mau ist oder eine wirkliche gute Geschichte nicht besonders ansprechend aussehen lassen.

Außerdem sind Cover ziemlich beliebig und sagen eigentlich gar nichts über den Inhalt eines Buches aus. Selbst die gleichzeitig zum Hardcover erscheinende Taschenbuchausgabe kann ein ganz anderes Cover haben. Ich will das Buchcover gar nicht verteufeln, schließlich gefallen mir ansprechende und zur Geschichte passende Titel auch besser. Buchcover gehören mit zur Marketingstrategie und sind für Verlage durchaus wichtig. Passt ein Cover zur Geschichte? Spricht das Cover die Zielgruppe des Buches an? Allerdings stecken hinter der Covergestaltung Menschen mit ihrem eigenen Geschmack – und der muss nicht zwangsläufig auch tatsächlich dem Geschmack der Leser entsprechen.

Ich vergleiche das gerne mit einer Pralinenschachtel oder Schokoladenverpackung. Wenn da eine Pralinen- oder Schokoladensorte drauf steht, die ich nicht mag, dann kaufe ich mir die Pralinen oder die Schokolade auch nicht, selbst wenn die Schachtel das schönste Motiv zeigt, das ich je gesehen habe. Natürlich sollen schöne Pralinenschachteln und schicke, ansprechende Buchcover zum Kauf verleiten, deshalb werden sie ja auch entsprechend gestaltet. In einer Rezension aber auf das Cover einzugehen, ist eigentlich nichtssagend. Im Studium habe ich ein Semester lang ein Seminar zum Thema Rezension belegt und das erste, was uns unser Dozent beigebracht hat war, so zu tun, als hätte das Buch kein Cover. Auch, wenn es vielleicht schwerfällt und man gerne das Titelmotiv in Verbindung zur Geschichte setzen möchte, kommt es bei einer Rezension ja tatsächlich auf den Inhalt an. Ist die Geschichte ansprechend erzählt? Wie ist die Handlung aufgebaut? Welches sind die Leitmotive?
Und sind wir doch mal ehrlich: Das Cover spielt beim Lesen selbst doch gar keine Rolle, da man es bei einem aufgeschlagenen Buch ja gar nicht sehen kann. Zusätzlich kommt hinzu, dass Cover oft bestimmten Modeerscheinungen entsprechen. Ich habe zum Beispiel eine Ausgabe von „Der Glöckner von Notre Dame“ von 1948, deren Cover ich aus heutiger Sicht als ziemlich unhübsch empfinde. Ich bin mir sicher, dass das Buch 1948 als absolut schick galt, sonst hätte man sich damals nicht für genau dieses Titelbild entschieden. Der Geschichte tut das allerdings keinen Abbruch, „Der Glöckner von Notre-Dame“ gefällt nicht nur mir, sondern gilt als Klassiker der Weltliteratur – egal, in welches Kleid man es steckt.

Wie austauschbar das Kleid eines Buches ist, wird in Mos Werkstatt in Tintenherz deutlich:

„So ein Kleid konnte aus Leder sein oder aus Leinen, schlicht oder mit einer Prägung versehen, die Mo mit winzigen Stempeln hineindrückte und manchmal auch vergoldete.“1

Ein schönes Cover gibt einer Geschichte ein schönes Gewand, aber es macht sie weder besser noch schlechter.

1Funke, Cornelia 2012. Tintenherz.

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