In der Sonne geflogen

Manchmal ist das Internet eine wahre Fundgrube und manchmal ergeben sich viele Dinge tatsächlich zufällig. Nadine Kapp ist vielen wahrscheinlich eher durch ihre „Law Enforcement“-Reihe bekannt, die sie zusammen mit Freya Miles schreibt. Als die Autorin nach Rezensenten für ihren Gedichtband gesucht hat, bin ich eher zufällig darauf gestoßen, hatte aber schon bei dem Wort „Gedichte“ die Ohren gespitzt. Nachdem ich die Texte jetzt gelesen habe, finde ich ich, dass sich Zufälle sehr lohnen können.


Nadine Kapp – Irgendwann verlor ich meine Flügel … und der Kleber warst du
Liebe ist wohl eines der menschlichsten Gefühle und gleichzeitig das Gefühl, nach dem wir uns am meisten sehnen. Nicht umsonst geht es in ungezählten Hollywoodfilmen darum, die große Liebe zu finden und zu zweit glücklich bis ans Ende seiner Tage zu leben. Die Gedichte von Nadine Kapp zeigen dieses Glück jemanden zu finden, den man liebt, der einen ebenfalls liebt und der einen im positivsten Sinne verändert. Die Gedichte zeigen aber auch, was passiert, wenn dieses Glück keine „happily ever after“ ist und eine Beziehung zerbricht.

„Der Liebe leichte Schwingen trugen mich…“ heißt es in der zweiten Szene des zweiten Akts von Romeo und Julia. Und tatsächlich ist die Liebe ein so erhabenes Gefühl, dass sie in der Literatur den Liebenden nicht selten Schwingen oder Flügel verleiht. Dieses Bild greift auch Nadine Kapp auf, lässt aber offen, ob „du“ der ganz besondere Mensch ist, oder jemand, der sie nach nach diesem ganz besonderen Menschen wieder aufgefangen hat. Unerheblich eigentlich, denn in ihren Gedichten verarbeitet sie leise aber dafür umso intensiver ihre Erfahrungen von der Liebe, über den Bruch, bis hin zu Weitergehen.

„Irgendwann verlor ich meine Flügel“ ist dabei nicht chronologisch aufgebaut. Das tut der Intensität der Gedichte allerdings keinen Abbruch. Nadine Kapp schafft es mit wenigen, exakt gesetzten Worten und einem guten Gespür für Rhythmus und Form den Leser in den Bann zu ziehen und an dem Gefühl und Ausdruck des jeweiligen Gedichts teilhaben zu lassen. Kleine Vignetten, die sich entweder auf die Liebe oder auf verschiedene Textstellen beziehen, regen zusätzlich dazu an, über den Text nachzudenken, da sich auch deren Bedeutung manchmal nicht auf den ersten Blick offenbart. Definitiv ein Buch, dass man häppchenweise genießen sollte und über dessen Texte man noch einen Moment innehält.

Nadine Kapp: Irgendwann verlor ich meine Flügel … und der Kleber warst du, 2019, 124 Seiten, Books on Demand
ISBN: 978-3-7494-5214-9
8,99 Euro

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
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