Wenn du nur lange genug in den Abgrund schaust…

…schaut der Abgrund irgendwann zurück. Der Ausspruch von Friedrich Nietzsche passt nicht nur deshalb gut, weil auch „Das Leuchten am Randes des Abgrunds“ einen Abgrund beeinhaltet, sondern weil sich Stella Delaneys Roman auch mit dem Hinterfragen der eigenen Person und der Selbstfndung beschäftigt. Wer will ich sein? Wie will ich handeln? Wie will ich werden? Hinzu kommen die beiden zentralen Themen des Gottkomplexes und der Liebe.


Stella Delaney – Das Leuchten am Rande des Abgrunds
Sam wurde von seiner Freundin und seiner Ersatzfamilie verlassen und als wäre das nicht schon schlimm genung, erfährt er von einer Katastrophe, die unzählige Menschen das Leben kosten könnte. Während er einen Plan entwickelt, um die Katatstrophe aufzuhalten, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muss feststellen, dass vieles, dass er für wahr gehalten hat, nicht der Wahrheit entspricht.
Parallel dazu kümmert er sich um eine mysteriöse junge Frau, der er das Leben gerettet hat und die an einer seltsamen Krankheit zu leiden scheint. Alexis liebt alte Geschichten und scheint über eine Art kollektives Bewusstsein zu verfügen. Je mehr Sam über sie erfährt, desto erstaunlicher erscheint sie ihm und Sam wird immer bewusster, dass er womöglich nicht einmal sich selbst trauen kann.

Wenn man der Schöpfungsgeschichte glaubt, dann wurde die Welt in sieben Tagen erschaffen. Beziehungsweise in sechs Tagen und einem Sonntag. In „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“ kehrt Autorin Stella Delaney dieses Prinzip um. Protagonist Sam erfährt ganz zu Anfang, dass er nur sieben Tage Zeit hat, um eine Katastrophe zu verhindern, die das Ende der Welt bedeuten könnte. Die Umkehrung der Schöpfungsgeschichte wenn man so will. Darüber hinaus finden sich im Text immer wieder Anklänge von Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Die kleine Meerjungfrau“ und „Frankenstein“ von Mary Shelley. Dier Kernaussagen der beiden Geschichten spielen im Laufe der Handlungsentwicklung eine nicht ganz unwichtige Rolle.

Stella Delaney verdeutlicht in ihrem dystopischen Roman, wie wichtig Hoffnung für den Mensch als Individuum ist. Der Titel „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“ beschreibt treffend das Gefühl einer falschen Hoffnung, an die man sich dennoch klammert. Neben dem Thema Hoffnung wird in der Geschichte aber auch immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist Macht und Forschung nicht zu missbrauchen. Ein eindringlicher Roman, der sich auf einer schmalen Linie zwischen Dystopie und Science-Fiction bewegt und immer wieder die Frage nach Ethik und Moral stellt.

Stella Delaney: Das Leuchten am Rande des Abgrunds, 2018, 176 Seiten, epubli
ISBN: 978-3-7467-7618-7 (E-Book), 978-3-7467-7589-0 (Print)
1,99 Euro (E-Book), 7,99 Euro (Print)

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
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2 Gedanken zu “Wenn du nur lange genug in den Abgrund schaust…

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