„Ist es nicht seltsam, wie viel dicker ein Buch wird, wenn man es mehrmals liest?“

Alles Gute zum 60. Geburtstag, liebe Cornelia Funke!

Die Bücher von Cornelia Funke begleiten mich schon mein ganzes Leseleben lang. Ich bin mir gar nicht sicher, welches das erste Buch ist, das ich von ihr gelesen habe. Vielleicht waren es die „Tiergeschichten“ aus der Leselöwen-Reihe, vielleicht waren es aber auch die „Rittergeschichten“. Was ich aber weiß ist, dass wir in der dritten Klasse eine Klassenbibliothek mit den verschiedenen Leselöwen-Büchern hatten und ich damals ab und zu Ärger bekam, weil ich im Unterricht lieber gelesen habe, anstatt aufzupassen. Mit neun Jahren gefielen mir die Geschichten, die Autoren dahinter habe ich damals noch nicht so wahrgenommen. Erst etwa ein Jahr später bekam ich „Die Wilden Hühner auf Klassenfahrt“ in die Finger und wollte mehr von der Mädchenbande lesen. Auch ein paar meiner Klassenkameradinnen waren damals Wilde-Hühner-verrückt und kurzerhand hatten wir mal eben unsere eigene Bande gegründet.

„Abenteuer kann man doch nicht planen wie Ballett oder so was. Die warten um die Ecke und – zack! – plötzlich sind sie da!“

(Die Wilden Hühner)

Beim Vorlesewettbewerb am Ende des vierten Schuljahres gab es „Drachenreiter“ als Preis. „Herr der Diebe“ hatte ich da schon gelesen. Ebenso „Greta und Eule, Hundesitter“, Hände weg von Mississippi“, Igraine Ohnefurcht“, die „Gespensterjäger“ und und und… Die Stadtbücherei hat mich immer wunderbar mit neuem Lesestoff versorgt.

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Als ich in der sechsten Klasse war, erschien dann Tintenherz. Ein Buch, das die Geschichten über die Magie der Bücher und des Lesens wohl wie kein anderes beeinflusst hat. Protagonistin Meggie lebt eigentlich den Traum eines jeden Lesers – sie taucht komplett in eine Geschichte ein. DasVernunftelement in der Geschichte liefert der Autor Darius. Zuerst ist er, verständlicherweise, völlig begeistert, die von ihm erdachten Figuren zu treffen. Nach und nach muss er aber feststellen, dass seine Welt eine Eigendynamik entwickelt hat, die er nicht kontrollieren kann. Verzweifelt versucht er, wieder die Oberhand über die Geschichte zu gewinnen. So begeistert man vielleicht von der Idee sein mag, die Charaktere aus dem Lieblingsbuch mal zu treffen, die Wahrscheinlichkeit, dass man dann von ihnen enttäuscht werden kann, ist durchaus gegeben.

„An nichts haften Erinnerungen so gut wie an bedruckten Seiten.“

(Tintenherz)

img_1269Dabei sind Welten, in die man sich hineinträumen kann, immer wieder Thema in Cornelia Funkes Büchern. „Reckless“ entführt in die Spiegelwelt, einer Parallelwelt zu unserer, in der Märchen wahr sind. In „Drachenreiter“ geht die Reise zum Saum des Himmels und an einen Ort, an dem Fabelwesen in Sicherheit leben können. „Igraine Ohnefurcht“ zeichnet eine Welt, in der ein junges Mädchen Ritterin werden kann. Im „Herr der Diebe“ träumen Kinder davon erwachsen zu sein, um endlich über ihr eigenes Leben bestimmen zu können. Und das ist es doch eigentlich, worum man als Kind die Erwachsenen beneidet: Unabhängig entscheiden zu können. Man möchte weder die ganzen Pflichten, noch möchte man wirklich groß sein. Denn wer klein ist, passt viel besser in die Astgabelung oben im Baum und man kann sich auch viel besser verstecken.

„Erwachsene erinnern sich nicht daran wie es war, ein Kind zu sein,
auch wenn sie es behaupten.
Sie wissen es nicht mehr. Glaub mir.
Sie haben alles vergessen. Wie viel größer ihnen die Welt damals erschien.
Das es mühsam sein konnte, auf einen Stuhl zu klettern. Wie fühlte es sich an, immer hoch zu blicken?
Vergessen. Sie wissen es nicht mehr. Du wirst es auch vergessen. Manchmal reden Erwachsene davon, wie schön es war, ein King zu sein. Sie träumen sogar davon, wieder eins zu sein. Doch was haben sie geträumt als sie Kinder waren?
Weißt du es? Ich glaube sie träumten davon, endlich erwachsen zu sein.“

(Herr der Diebe)

Liebe Cornelia Funke, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und danke für Potilla, Igraine, Hühner und Pygmäen, Abenteuer in Venedig, die Tintenwelt, Ben und Lung und viele, viele mehr. Und natürlich für Jacob, Will und Fuchs, die mich heute noch begleiten.

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