„Und lauf nicht vom Wege ab…“

Melissa Albert – Hazel Wood
Alice Proserpine und ihre Mutter Ella bleiben nie lange an einem Ort. Fast so, als wären sie auf der Flucht. Und tatsächlich scheinen Pech und Verkettungen unglücklicher Ereignisse Mutter und Tochter zu verfolgen. Als Alice Großmutter Althea unerwartet stirbt beschließt Ella sesshaft zu werden und eine Zeitlang scheint das auch tatsächlich zu funktionieren, doch irgendwann kommt das Unglück zurück: Ella verschwindet. Alice bleibt zunächst ratlos und mit der Warnung sich von Hazel Wood fernzuhalten zurück. Ihr wird jedoch bald klar, dass sie wohl nur in Hazel Wood Antworten erhält.

Melissa Albert erschafft mit „Hazel Wood“ eine ganz eigene Märchenwelt. Das Kernelement bildet dabei das Märchenbuch „Geschichten aus dem Hinterland“, das Alice Großmutter Althea Proserpine vor vielen Jahren verfasst hat und das vielleicht doch nicht ganz so fiktiv ist, wie Alice sich das zu Beginn denkt. Alice selbst ist eine schwierige Protagonistin, mit der man als Leser auch nicht wirklich warm wird. Trotzdem übt ihre stachelige, schwer greifbare Art, die sie zur Anti-Heldin des Romans macht, eine starke Anziehung aus. Auch wenn die Geschichte aus Alices Perspektive erzählt wird, ist es für die Handlung nebensächlich, ob man sie sympathisch findet oder nicht. Melissa Albert stellt die Geschichten aus dem Hinterland und Hazel Wood selbst in den Vordergrund. Und passend zur Warnung und der Bezeichnung Hinterland findet sich hier eine eher düstere Stimmung, die durch das bedächtige und eindringliche Erzähltempo, sowie Alice schwierigen und teilweise recht wechselhaften Charakter zusätzlich verstärkt wird.

„Hazel Wood“ ist eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, die dann aber aufgrund des Erzähltons, der Sprache und der bildhaften Beschreibung der Handlungsorte ziemlich schnell ihren Sog entwickelt. Ist man erst einmal in die Geschichte eingetaucht, entwickelt auch Alices schwierige Persönlichkeit ihren gewissen Reiz. Wer Märchen mag, der wird die eine oder andere Anspielung erkennen, wobei in „Hazel Wood“ eine völlig eigene Geschichte erzählt wird. Wer allerdings eine Märchenwelt mit Happy End erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Der Roman reiht sich eher bei den düsteren Erzählungen ein. Das allerdings so fesselnd, dass sich das Buch nur schwer beiseite legen lässt.

Melissa Albert: Hazel Wood (Übersetzt von Fabienne Pfeiffer), 2018, 352 Seiten, Dressler Verlag
ISBN 978-3-7915-0085-0
19,00 €

Das Buch wurde mir durch Vorablesen vom Dressler Verlag zur Verfügung gestellt.Vielen Dank dafür!

 

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